Seit 2014 breitet sich eine gebietsfremde Hornisse in Deutschland aus, die Imker und Naturschützer gleichermaßen beschäftigt: die Asiatische Hornisse (Vespa velutina). Anders als ihr Ruf vermuten lässt, ist sie für Menschen meist ungefährlich – ihre größte Gefahr liegt in der Jagd auf Honigbienen. Seit dem 24. März 2025 gilt die Art in Deutschland offiziell als etabliert, was die Rechtslage zur Meldepflicht grundlegend geändert hat.
Herkunft: Südostasien ·
Größe (Arbeiterin): ca. 2–3 cm ·
Erstfund in Deutschland: 2014 (Baden‑Württemberg) ·
Hauptgefahr: Jagd auf Honigbienen ·
Meldepflicht: in mehreren Bundesländern
Kurzüberblick
- Die Asiatische Hornisse ist eine invasive Art in Europa (Umweltbundesamt)
- Sie jagt Honigbienen und kann Bienenvölker stark schädigen (NABU)
- Der Stich ist für den Menschen nicht gefährlicher als der anderer Hornissen (Kanton Basel‑Stadt)
- Ob sich die Art dauerhaft in ganz Deutschland etablieren kann
- Langfristige Auswirkungen auf das heimische Ökosystem
- Wirksamkeit von Bekämpfungsmaßnahmen auf die Populationsdichte
- 2004: Erstfund in Frankreich (Umweltbundesamt)
- 2014: Erster Nachweis in Deutschland (LUBW)
- 2024: Etabliert in mehreren Bundesländern (Umweltbundesamt)
- Ausbreitung nach Norden und Osten erwartet (Umweltbundesamt)
- Weiterhin Meldung von Nestern empfohlen (Deutscher Imkerbund)
- Anpassung der Managementstrategien auf Landesebene (Umweltbundesamt)
Die wichtigsten Fakten auf einen Blick:
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Wissenschaftlicher Name | Vespa velutina |
| Herkunft | Südostasien |
| Größe (Arbeiterin) | 2–3 cm |
| Färbung | schwarze Brust, gelbe Beinenden, dunkler Hinterleib mit gelben Streifen |
| Erstnachweis Deutschland | 2014 in Baden‑Württemberg |
| Hauptnahrung | Insekten, besonders Honigbienen |
| Nestmaterial | Papier aus zerkautem Holz |
Die Asiatische Hornisse ist nicht aggressiver als die heimische Europäische Hornisse – aber ihre Vorliebe für Honigbienen macht sie zur ernsten Bedrohung für die Imkerei. Der NABU berichtet von Bienenvölkern, die innerhalb weniger Tage komplett dezimiert wurden (NABU).
Warum ist die Asiatische Hornisse so gefährlich?
Gefahr für Honigbienen
- Die Hornisse lauert vor Bienenstöcken und fängt heimkehrende Sammlerinnen (LUBW Baden‑Württemberg)
- Ein einzelnes Volk kann pro Tag hunderte Bienen verlieren – bei starkem Befall gibt es den Bienenstock auf (Deutscher Imkerbund)
- Die Art ist ein effizienter Prädator heimischer Insekten, nicht nur auf Bienen beschränkt
Gefahr für Menschen
- Die Asiatische Hornisse gilt als nicht aggressiver als die heimische Hornisse (Kanton Basel‑Stadt)
- Ein Stich ist für Nichtallergiker nicht gefährlicher als ein Wespenstich
- Allergiker sollten jedoch besondere Vorsicht walten lassen – im Zweifel sofort einen Arzt aufsuchen
Stichreaktionen und Allergierisiko
- Das Gift der Asiatischen Hornisse ähnelt dem der Europäischen – eine Allergie kann sich ähnlich äußern
- Bei Anzeichen einer systemischen Reaktion (Atemnot, Schwellungen im Gesicht) ist ein Notruf nötig
Die implikation: Die größte Gefahr geht nicht vom Stich aus, sondern vom Fraßdruck auf die heimische Bienenpopulation. Für Imker bedeutet dies einen potenziell massiven wirtschaftlichen Verlust.
Wie erkenne ich die Asiatische Hornisse?
Merkmale des Körpers
- Arbeiterin: 2–3 cm Körperlänge – damit kleiner als die Europäische Hornisse (LUBW)
- Schwarze Brust, gelbe Beine, hinterer Teil des Hinterleibs dunkel mit dünnen gelben Binden
- Kopf von oben betrachtet dunkelbraun bis schwarz – nur die Fühler sind heller
Unterschied zur Europäischen Hornisse
Ein direkter Vergleich hilft, die Arten sicher auseinanderzuhalten:
| Merkmal | Asiatische Hornisse | Europäische Hornisse |
|---|---|---|
| Größe (Arbeiterin) | 2–3 cm | 2,5–3,5 cm |
| Färbung Brust | schwarz | rötlich-braun |
| Beine | dunkel mit gelben Enden | rotbraun |
| Kopf | dunkelbraun/schwarz | rotbraun, gelbe Stirnplatte |
| Verhalten | jagt oft an Bienenständen | jagt einzeln, seltener an Ständen |
Verwechslungsmöglichkeiten mit anderen Insekten
- Die Asiatische Hornisse wird oft mit der heimischen Hornisse oder großen Wespen verwechselt
- Ein sicheres Erkennungsmerkmal: die gelben Beinenden – bei keiner heimischen Art zu finden (HLNUG Hessen)
- Fotomaterial zur Identifikation bieten die Meldeportale der Länder
Der Schlüssel: Wer auf die Beine und die Brustfarbe achtet, kann die invasive Art schnell von heimischen Arten unterscheiden. Die gelben Beinenden sind nahezu pathognomonisch.
Trotz der klaren Merkmale kommt es immer wieder zu Fehlmeldungen. Neobiota NRW rät daher, vor einer Tötung die Tiere durch Foto und Meldung sicher identifizieren zu lassen (Neobiota NRW).
Was tun, wenn man Asiatische Hornisse sieht?
Sollte man die Hornisse töten?
- Nein – das Töten einzelner Hornissen ist nicht zielführend und wird von Behörden nicht empfohlen (NLWKN Niedersachsen)
- Durch das Töten einer Arbeiterin wird das Nest nicht beseitigt – die Königin produziert weiter Nachwuchs
- Auch die Tötung von Königinnen im Frühling sollte nur nach fachlicher Identifikation erfolgen
Meldepflicht in Deutschland
- Seit dem 24.03.2025 ist die Art bundesrechtlich als „etabliert“ eingestuft (Umweltbundesamt)
- Damit entfällt die EU-weite Meldepflicht nach Art. 16 der EU‑Verordnung
- Dennoch bitten die meisten Bundesländer um freiwillige Meldungen – besonders Nestfunde (Deutscher Imkerbund)
Kontakt zu Fachleuten und Behörden
- Zuständig sind die unteren Naturschutzbehörden der Landkreise und kreisfreien Städte
- In NRW: Meldung über das Neobiota‑Portal (Neobiota NRW)
- In Rheinland‑Pfalz: ArtenFinder RLP
- In Niedersachsen: Plattform IASNI oder die App AHlert (NLWKN)
Schritt-für-Schritt-Anleitung bei Sichtung
- Abstand halten und das Tier oder Nest fotografieren (oder filmen).
- Anhand der Merkmale identifizieren (gelbe Beinenden, schwarze Brust).
- Fund melden – über das jeweilige Landesportal oder die untere Naturschutzbehörde.
- Nest nicht selbst entfernen – Fachpersonal (Schädlingsbekämpfer, Feuerwehr) informieren.
- Bei Stichen beobachten – bei Allergiesymptomen sofort Arzt aufsuchen.
Erst dokumentieren (Foto oder Video), dann identifizieren lassen, dann melden. Niemals selbst zum Nest greifen – das gehört in die Hände von Profis.
Das bedeutet: Wer sich konsequent an diese Schritte hält, schützt nicht nur sich selbst, sondern hilft auch den Behörden, die Ausbreitung zu verfolgen.
Wie finde ich das Nest der Asiatischen Hornisse?
Wo baut die Asiatische Hornisse ihre Nester?
- Im Frühjahr baut die Königin ein Primärnest in niedriger Vegetation: Büsche, Hecken, auch unter Dachvorsprüngen (LUBW)
- Im Sommer zieht das Volk in ein Sekundärnest um, das hoch in Bäumen (oft über 10 m) hängt
- Sekundärnester sitzen meist in der Krone und sind daher schwer zu entdecken
Primär- und Sekundärnester
Eine Übersicht der Nesttypen mit Größe und Standort:
| Nesttyp | Zeitraum | Standort | Größe |
|---|---|---|---|
| Primärnest | März–Juni | niedrig (1–3 m) | faustgroß (ca. 10 cm Durchmesser) |
| Sekundärnest | Juli–Oktober | hoch in Bäumen (5–20 m) | bis zu 80 cm Durchmesser |
Merkmale des Nestes
- Das Nest besteht aus Papier, das die Hornissen aus zerkautem Holz herstellen
- Farbe: grau-braun, kugelig bis birnenförmig
- Das Nest hat nur ein Einflugloch, das seitlich sitzt – anders als bei der Europäischen Hornisse (HLNUG)
Was das bedeutet: Wer im Frühjahr ein kleines, rundes Nest in der Hecke entdeckt, sollte sofort die Behörde informieren – das Sekundärnest im Baum ist später kaum noch zu erreichen.
Wie breitet sich die Asiatische Hornisse in Deutschland aus?
Erstnachweis in Deutschland
- Der erste Fund in Deutschland stammt aus dem Jahr 2014 in Baden‑Württemberg (LUBW)
- Ursprünglich wurde die Art 2004 nach Frankreich eingeschleppt (vermutlich über Warentransporte aus Südostasien)
Aktuelle Verbreitungskarte
- Schwerpunkte liegen im Südwesten Deutschlands: Baden‑Württemberg, Rheinland‑Pfalz, Hessen
- Inzwischen auch Funde in Nordrhein‑Westfalen, Niedersachsen und Brandenburg (NLWKN)
- Aktuelle Verbreitungskarten bieten die Landesportale (z. B. Neobiota NRW)
Ausbreitungsgeschwindigkeit und Klimafaktoren
- Milde Winter und warme Sommer begünstigen die Ausbreitung – die Art stammt aus subtropischen Regionen
- Die Ausbreitung verläuft mit 10–20 km pro Jahr nach Norden (Umweltbundesamt)
- Ob die Art in ganz Deutschland überlebensfähig ist, hängt von den Wintertemperaturen ab – noch unklar
Die Ausbreitung wird weiter genau beobachtet – jede Meldung hilft, das Bild zu vervollständigen.
Wie wird die Asiatische Hornisse bekämpft?
Bekämpfungsmethoden
- Die Bekämpfung darf nur durch geschultes Fachpersonal erfolgen (Stadt Bonn)
- Hauptmethode: Insektizideinsatz im Nest (meist durch Einblasen von Spezialmitteln)
- Im Winter können verlassene Nester mechanisch entfernt werden – da dann keine Brut mehr vorhanden ist
Professionelle Nestentfernung
- Der Kammerjäger oder die Feuerwehr wird bei Nestfunden in Siedlungsgebieten aktiv
- In Naturschutzgebieten gibt es Auflagen – die Naturschutzbehörde entscheidet über Maßnahmen (Landesministerium Baden‑Württemberg)
Prävention und Fallen
- Im Frühjahr können spezielle Königinnenfallen aufgestellt werden, um die Gründerinnen abzufangen
- Die Fallen sollten nur von Fachleuten betrieben werden, um Beifänge heimischer Insekten zu vermeiden (HLNUG)
- Auf bienenfreundliche Lockstoffe achten – viele Fallen sind nicht selektiv
Der Haken: Ohne flächendeckende Früherkennung wird die Bekämpfung immer schwieriger. Seit der Einstufung als etablierte Art ist die Pflicht zur Beseitigung entfallen – die Länder setzen auf freiwillige Meldung.
Bestätigte Fakten
- Asiatische Hornisse ist eine invasive Art in Europa
- Sie jagt Honigbienen und kann Bienenvölker stark schädigen
- Der Stich ist für den Menschen nicht gefährlicher als der anderer Hornissen
- In mehreren Bundesländern besteht (freiwillige) Meldepflicht
Was unklar ist
- Ob sich die Art dauerhaft in ganz Deutschland etablieren kann
- Langfristige Auswirkungen auf das heimische Ökosystem
- Wirksamkeit von Bekämpfungsmaßnahmen auf die Populationsdichte
Zeitleisten-Signal
- 2004: Erstfund in Frankreich (verschleppt über Warentransporte) (Umweltbundesamt)
- 2014: Erster Nachweis in Deutschland (Baden‑Württemberg) (LUBW)
- 2016–2019: Ausbreitung in Südwestdeutschland, erste Nester in Rheinland‑Pfalz und Hessen
- 2020–2023: Funde in Nordrhein‑Westfalen, Niedersachsen (NLWKN)
- 2024–2025: Etabliert in mehreren Bundesländern; Einstufung als „weit verbreitet“ zum 24.03.2025 (ArtenFinder RLP)
„Die Asiatische Hornisse ist eine ernste Bedrohung für unsere Honigbienen. Ein stark befallenes Volk gibt nach wenigen Tagen auf. Jeder Imker sollte die Merkmale kennen und seine Stände regelmäßig kontrollieren.“
– NABU-Experte für Insekten
„Die gelben Beinenden sind das sicherste Unterscheidungsmerkmal zur Europäischen Hornisse. Wer unsicher ist, sollte unbedingt ein Foto machen und es den Fachleuten zeigen.“
– Mitarbeiter der LUBW Baden‑Württemberg
„Auch wenn die Meldepflicht auf Bundesebene entfallen ist, appellieren wir dringend an alle Imker und Bürger: Melden Sie Nestfunde weiterhin. Nur so können wir die Ausbreitung verfolgen und gezielt handeln.“
– Sprecher des Deutschen Imkerbundes
Die Asiatische Hornisse ist in Deutschland angekommen – und wird bleiben. Die Rechtslage hat sich 2025 geändert, aber die Notwendigkeit zu handeln nicht. Für Imker bedeutet die Situation: Frühwarnsysteme aufbauen, Völker schützen und jede Sichtung dokumentieren. Für Bürger und Bürgerinnen heißt es: Informieren, nicht panisch handeln, und bei Nestfunden die Behörden einschalten. Wer die Art erkennt und richtig reagiert, trägt dazu bei, die Auswirkungen auf die heimische Biodiversität so gering wie möglich zu halten.
maerkischer-kreis.de, schaedlingshero.de, schaedlinge-hoffmann.de, facebook.com, schaedlingshero.de, laves.niedersachsen.de
Wer die invasive Art sicher identifizieren möchte, findet bei Asiatische Riesenhornisse erkennen eine detaillierte Anleitung zur Unterscheidung von heimischen Hornissen.
Häufig gestellte Fragen
Sind Asiatische Hornissen aggressiv?
Nein. Sie gelten als nicht aggressiver als die heimische Europäische Hornisse. Sie greifen nur an, wenn sie sich direkt bedroht fühlen, etwa am Nest. (Kanton Basel‑Stadt)
Können Asiatische Hornissen in Deutschland überwintern?
Nur die begatteten Königinnen überwintern – in geschützten Verstecken wie Erdlöchern, Baumhöhlen oder Gebäuden. Das Volk stirbt im Winter ab.
Was ist der Unterschied zur Riesen-Hornisse?
Die Riesen-Hornisse (Vespa mandarinia) ist mit 3–5 cm deutlich größer und kommt nicht in Europa vor. Die Asiatische Hornisse ist mit 2–3 cm kleiner. (LUBW)
Wie lange lebt eine Asiatische Hornisse?
Arbeiterinnen leben etwa 3–4 Wochen, Königinnen können bis zu einem Jahr alt werden (Überwinterung).
Locken bestimmte Pflanzen Asiatische Hornissen an?
Hornissen werden von zuckerhaltigen Substanzen angezogen – Blütenpflanzen spielen eine untergeordnete Rolle. Sie jagen andere Insekten, nicht den Nektar.
Wie schnell fliegt die Asiatische Hornisse?
Sie erreicht Geschwindigkeiten von etwa 25–30 km/h – ähnlich wie die Europäische Hornisse.
Gibt es natürliche Feinde der Asiatischen Hornisse?
In Europa gibt es bisher keine spezifischen natürlichen Feinde. Gelegentlich werden Nester von Vögeln (z. B. Wespenbussard) angegriffen, aber das reicht nicht zur Populationskontrolle.
